Langer Marsch 

 

Sammelname chinesischer Trägerraketen

 

 

 

Langer Marsch – Sammelname chinesischer Trägerraketen

 

Langer Marsch ist der Sammelname der chinesischen Trägerraketen, benannt nach dem Heldenmythos der Kommunistischen Partei Chinas. Zuständig für die Entwicklung und Koordination des Programms ist die China National Space Administration (CNSA).

 

Startzentren

 

Gegenwärtig werden vier Startzentren für die verschiedenen Langer-Marsch-Raketen verwendet:

 

  • seit 1958 das Kosmodrom Jiuquan in der Provinz Gansu im Norden des Landes, für bemannte Flüge mit dem Raumschiff Shenzhou und für Starts in niedrige und mittlere Umlaufbahnen mit mittlerer Bahnneigung
  • seit 1966 das Kosmodrom Taiyuan in der Provinz Shanxi im Norden des Landes, vorwiegend für Starts in niedrige sonnensynchrone und polare Umlaufbahnen (CZ-2, CZ-4)
  • seit 1984 das Kosmodrom Xichang in der Provinz Sichuan im Landesinneren, vorwiegend für Starts in geostationäre Umlaufbahnen
  • seit 2016 das Kosmodrom Wenchang im Nordosten der Insel Hainan im äußersten Süden Chinas, für Starts in geostationäre Umlaufbahnen und schwere Lasten im allgemeinen (CZ-5, CZ-7). Mittelfristig soll Wenchang Xichang ersetzen, da dort aufgrund der dichten Besiedlung bei Unfällen die Anwohner zu Schaden kämen.

 

Modelle der Langer Marsch Raketen

 

Alte Generation der Langer Marsch Raketen

 

Es gibt mehrere Modelle der Trägerrakete, die teilweise aus völlig unterschiedlichen Entwicklungsrichtungen kamen (auch innerhalb einer Modellreihe). Die Raketen sind Eigenentwicklungen der Volksrepublik China, teilweise basierend auf der Technologie sowjetischer Raketen der 1960er und 1970er Jahre.

Unterstufen und (soweit vorhanden) Mittelstufen und Booster der Baureihen CZ-2 – CZ-4 benutzen als Treibstoff UDMH und als Oxidator N2O4, ebenso die Oberstufen der CZ-4-Reihe. Die Oberstufen von CZ-2 und CZ-3 verwenden LH2 und LOX.

 

Langer Marsch - Rakete

Neue Generation der Langer-Marsch-Raketen

 

Im Rahmen einiger Pressekonferenzen nach dem erfolgreichen zweiten bemannten Raumflug von Shenzhou 6 äußerte sich am 16. Oktober 2005 Sun Laiyan, einer der Direktoren der nationalen chinesischen Weltraumbehörde CNSA zum Thema „Entwicklung chinesischer Trägerraketen“.

Ziel sei es, eine Nutzlast von 25 t Masse in eine niedrige Erdumlaufbahn und 14 t in eine geostationäre Umlaufbahn zu transportieren.

Damit ist die Reihe der Raketen vom Typ „Langer Marsch 5“ (CZ-5) gemeint, die ähnlich der Ariane 5 eine hochenergetische, mit flüssigem Wasserstoff (LH2) und Flüssigsauerstoff (LOX) betriebene Zentralstufe einsetzen sollen.

Die CZ-5, CZ-6 und CZ-7 sind ein neu entworfenes Baukastensystem aus wenigen verschiedenen Einzelteilen.

Sie verzichten auf die giftige und umweltschädliche UDMH/N2O4-Kombination und verwenden für die Booster der CZ-5 und die daraus abgeleiteten Unterstufen von CZ-6 und CZ-7 RP-1/LOX, für die Haupt- sowie Zweitstufe der CZ-5 LH2/LOX.

Die unteren Stufen der CZ-7 bestehen z. B. aus den gleichen Komponenten, wie die Booster der CZ-5:

 

  • K2-1 (kl. Booster der CZ-5, 2,25 m ,1 YF-100 RP-1/LOX-Triebwerk) als Booster
  • K3-1 (gr. Booster der CZ-5, 3,35 m ,2 YF-100 RP-1/LOX-Triebwerke) als Hauptstufe

Bemannte Raumfahrt

 

Am 15. Oktober 2003 gelang es der Volksrepublik China, mit einer Trägerrakete „Langer Marsch 2F“ (CZ-2F / LM-2F) das Raumschiff Shenzhou 5 mit dem Taikonauten Yang Liwei an Bord in eine Umlaufbahn um die Erde zu bringen. Damit ist China der dritte Staat nach der Sowjetunion und den USA, der eigenständig bemannte Flüge mit selbst entwickelten Raketen betreibt. Mittelfristig soll eine Version der „Langer Marsch 7“ die Beförderung der Taikonauten übernehmen.

 

Unfälle 1995 und 1996 und die Auswirkungen auf die Entwicklung

 

Die derzeit stärkste Variante ist die Langer Marsch 3B (CZ-3B / LM-3B), die speziell zum Transport von Kommunikationssatelliten in Geotransferbahnen ausgelegt ist. Diese Rakete wird zu einem verhältnismäßig günstigen Preis auf dem internationalen Satellitenstartmarkt angeboten, konnte allerdings bisher nur wenige Startaufträge erhalten, da die USA die Einfuhr von US-amerikanischer Satellitentechnik nach China sanktionierten.

Der offizielle Grund für das Verbot sind die sich 1995 und 1996 ereigneten Fehlstarts einer CZ-2E / CZ-3B, als die Raketen kurz nach dem Start in einem nahe gelegenen Dorf einschlugen oder über der Startanlage explodierten und viele Menschen umkamen. Trotz umfangreicher Untersuchungen zur Ursache (zum Teil unter Hilfe amerikanischer Spezialisten) wurde das jeweilige Ausmaß der Unfälle heruntergespielt.

Die gefundenen Mängel wurden akribisch abgestellt und so waren die Baureihen danach zuverlässig. Dies wurde vom Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten jedoch als gefährliche Entwicklung gedeutet, woraufhin die U.S.A. versuchte, mit Sanktionen den weiteren Export von westlicher Satellitentechnologie zu beschränken.

So wurden die Fehlstarts Teil der offiziellen Begründung für die spätere mehrjährige radikale Verschärfung der Technologiesanktionen gegen China durch die USA, die es für Jahre westlichen Kunden nahezu unmöglich machten, ihre Satelliten mit diesen Raketen starten zu lassen, da fast alle Satelliten US-Bauteile enthielten. Gleichzeitig wurde so ein Vorteil für den heimischen Satellitenstartmarkt geschaffen.

Anmerkungen

Autorenliste Wikipedia

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