Mir Raumstationsnutzung

 

 

 

Zeitraum von 1989 – 2000

Mir Raumstationsnutzung von 1986 – 2000

 

Raumstationnutzung – Die Raumstation wurde insgesamt von 96 Kosmonauten besucht. 19 von ihnen betraten die Station zweimal, Alexander Wiktorenko viermal und Anatoli Solowjow fünfmal. Die längste Zeit an Bord verbrachte der russische Kosmonaut Waleri Poljakow: Er arbeitete 679 Tage an Bord der Mir. Von Januar 1994 bis Mai 1995 stellte er mit 438 Tagen im All einen neuen Rekord für die menschliche Verweildauer im All im Rahmen einer Mission auf. Der lange Zeitraum wurde auch als Test für einen möglichen bemannten Marsflug gewertet – der Flug zum roten Planeten dauert etwa ein Jahr.

 

Raumstationsnutzung 1986 – Die erste Besatzung

Die erste Besatzung der Expedition Sojus T-15 mit den Kosmonauten Leonid Kisim und Wladimir Solowjow startete am 13. März 1986 und betrat zwei Tage später die Station, um diese in Betrieb zu nehmen. Zu den Aufgaben gehörte es unter anderem, die von den Frachtschiffen Progress 25 und 26 angelieferte Ausrüstung zu entladen und zu installieren. Als Besonderheit wurde ein 50-tägiger Ausflug zur Raumstation Saljut 7 unternommen, um diese zu warten und einen Teil der Ausrüstung für die Mir zu übernehmen. Dieser Flug einer Besatzung zwischen zwei Raumstationen ist bis heute einzigartig. Nach der Rückkehr zur Erde am 16. Juli 1986 blieb die Station Mir für mehr als ein halbes Jahr unbesetzt.

 

Raumstationsnutzung von 1987 bis 1989

Mit der Mission Sojus TM-2 und den Kosmonauten Juri Romanenko und Alexander Lawejkin, die am 5. Februar 1987 Baikonur verließen, begann die erste Periode von über zwei Jahren, in der die Station mit wechselnden Mannschaften ununterbrochen besetzt war. Sie endete im April 1989 mit der Mission Sojus TM-7. In diesen Jahren besuchten mit dem Syrer Muhammed Achmed Faris, dem Afghanen Abdul Ahad Mohmand und dem Franzosen Jean-Loup Chrétien die ersten nicht-sowjetischen Raumfahrer die Station. Die Station war in dieser Zeit das Ziel von sechs Missionen, während der das Modul Kwant angeschlossen und in Betrieb genommen wurde.

 

Raumstationsnutzung von 1989 bis 1991

Nach einer Unterbrechung von über vier Monaten – bedingt durch technische Probleme mit den Sojus-Raumschiffen – begann mit Sojus TM-8 im September 1989 die zweite Phase der Nutzung, in deren Verlauf die Station über beinahe zehn Jahre hinweg – bis zum August 1999 – permanent besetzt blieb und ausgebaut wurde. Neun Flüge des US-amerikanischen Space Shuttles und 22 Flüge mit sowjetischen Sojus-Raumschiffen dockten während dieser Zeit an. In diesen Zeitraum fiel der politische Umbruch in der Sowjetunion, der auch zu einer Zäsur beim Betrieb der Mir führte.

Die begonnene Zusammenarbeit mit anderen, auch westlichen, Staaten wurde fortgeführt. Im Dezember 1990 flog der japanische Journalist Toyohiro Akiyama zu der Station. Ihm folgten 1991 die erste britische Raumfahrerin Helen Sharman und der erste österreichische Kosmonaut Franz Viehböck.

Die beiden Kosmonauten Alexander Wolkow und Sergei Krikaljow betraten als Sowjetbürger die Station und kehrten als russische Bürger mit der Sojus TM-13 zur Erde zurück. In ihre Aufenthaltszeit fiel die Wahl von Boris Jelzin zum Präsidenten der Russischen Föderation, der Augustputsch in Moskau und das Ende der UdSSR. Durch die Begleitumstände musste Krikaljow seinen Aufenthalt ungeplant um ein halbes Jahr verlängern. Er kehrte erst nach 311 Tagen am 25. März 1992 auf die Erde zurück.

 

Raumstationsnutzung 1992 bis 1999 – Die Mir unter russischer Leitung

 

Nach der politischen Wende in den Staaten der Sowjetunion besuchten zunehmend Raumfahrer westlicher Staaten die Station, deren Betrieb durch Russland weiter geführt wurde. Mit der Ankunft der Mission EO-11 begann das neue Zeitalter auch an Bord der nun russischen Station.

1992 kam mit Klaus-Dietrich Flade der erste Deutsche. Ihm folgte am 3. September 1995 Thomas Reiter, der Teil der 20. Mir-Langzeitbesatzung war, darauf folgte 1997 Reinhold Ewald sowie der Franzose Michel Tognini. 1994 besuchte der deutsche ESA-Astronaut Ulf Merbold die Mir, der zuvor bereits zweimal mit dem Space Shuttle im All gewesen war.

Raumstationsnutzung - Gruppenbild der MIR Besatzung 97 DLR

Parallel zum weiteren Ausbau der Station startete im Jahr 1995 der erste amerikanische Astronaut von Baikonur in einem Sojus-Raumschiff zur Mir. Im Juni des gleichen Jahres begann die erste von elf Shuttle-Mir-Missionen. Im Rahmen der Mission STS-71 dockte die Raumfähre Atlantis an die russische Raumstation an. Im September besuchte der Deutsche Thomas Reiter die Mir und blieb 179 Tage an Bord. Gleichzeitig fand dort die erste Kunstausstellung im Erdorbit „Ars ad astra“ statt.

1996 wurde der Aufbau der Station mit dem Modul Priroda beendet. Der längste Aufenthalt eines amerikanischen Astronauten im All wurde auf der Mir gefeiert: John Blaha verbrachte im gleichen Jahr 118 Tage auf der Station.

Die letzten Jahre der Raumstationsnutzung

 

Am 20. November 1998 startete mit Sarja das erste Modul der Internationalen Raumstation. Die NASA-Führung versuchte die russische Regierung dazu zu bewegen, die Mir möglichst bald aufzugeben. Vorerst entschied sich Russland dagegen, verzichtete aber darauf, die am 28. August 1999 gelandete Crew von Sojus TM-29 durch eine neue zu ersetzen. 1999 gründete sich in den Niederlanden die MirCorp, ein Unternehmen, das versuchte, das Überleben der Mir über private Mittel zu sichern. Zu den Überlegungen gehörten auch Nutzungen für den Weltraumtourismus.

Mit Sojus TM-29 besuchte 1999 der Franzose Jean-Pierre Haigneré und der erste slowakische Kosmonaut Ivan Bella die Mir. Mit Sojus TM-30 startete am 4. April 2000 die letzte Besatzung zur Mir, nachdem sie sieben Monate unbenutzt geblieben war. Die durch MirCorp finanzierte Mission der Kosmonauten Sergej Saljotin und Alexander Kaleri dauerte 72 Tage und war der 39. Besuch eines bemannten Raumschiffes.

Sie führten Wartungsarbeiten durch, um den weiteren Verbleib in der Umlaufbahn sicherzustellen. Zum Zeitpunkt ihrer Rückkehr im Juni 2000 hoffte die russische Raumfahrt noch, die Mir durch westliche Gelder für zwei weitere Jahre betreiben zu können. Die Hoffnungen zerschlugen sich angesichts der Unterhaltskosten und des Aufwands für den gleichzeitigen Unterhalt zweier Raumstationen.

Am 23. Oktober 2000 kam das offizielle Aus. Der russische Vorschlag, Teile der Mir zum Aufbau der ISS zu verwenden, wurde von US-amerikanischer Seite – trotz der damit verbundenen Einsparungen – verworfen.

In den frühen Morgenstunden des 23. März 2001 wurde die Mir mit drei Bremsschüben des letzten Progress-Raumfrachters zum kontrollierten Wiedereintritt in die Atmosphäre gebracht. Mehr als 1500 (ca. 40 Tonnen) nicht verglühte Trümmer der Station stürzten um 6:57 Uhr südöstlich der Fidschi-Insel in den Pazifischen Ozean Das Zentrum der Absturzstelle befand sich bei den Koordinaten 44° 12′ S/150° W

 In ihrer 15-jährigen Geschichte umrundete die ursprünglich nur für eine Lebensdauer von sieben Jahren ausgelegte Station die Erde 86.325 Mal in einer Höhe von 390 Kilometern über der Erdoberfläche.

Anmerkungen

Autorenliste Wikipedia

Copyright Fotos / Grafiken v.o.n.u.v.l.n.r.: NASADLR German Aerospace Center 

Lizenzbestimmungen Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (abgekürzt)