New Horizons Raumsonde

 

 

 

 

 

 

 

 

 

New Horizons Raumsonde der NASA

 

New Horizons  ist eine Raumsonde der NASA, die im Rahmen des New-Frontiers-Programmes am 19. Januar 2006 startete, um das Pluto-System und den Kuipergürtel zu erforschen. Am 14. Juli 2015 erreichte New Horizons als erste Raumsonde Pluto. Für den 1. Januar 2019 ist ein Vorbeiflug an 2014 MU69 geplant. Die Sonde erforscht zudem weitere Kuipergürtelobjekte aus größerer Entfernung sowie die Heliosphäre.

Zurzeit (13. Juli 2016) ist die Sonde ca. 35,9268 AE von der Sonne entfernt.

Das Projekt wird vom Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University in Baltimore,Maryland geleitet. Die Kosten, einschließlich der Entwicklung und des Baus der Raumsonde sowie ihrer Instrumente, der Trägerrakete und der Missionsdurchführung bis zum Jahr 2016 betragen etwa 700 Millionen Dollar.

 

Missionsziele der New Horizons Raumsonde

 

New Horizons war die erste Raumsonde zur Erforschung Plutos. Da er sehr weit von der Sonne entfernt ist, können selbst die stärksten Teleskope kaum Details auf seiner Oberfläche ausmachen. So erreicht die Auflösung der besten mit dem Hubble-Weltraumteleskop gewonnenen Aufnahmen nur 500 km pro Bildpunkt. Somit können Pluto und seine Monde nur durch Raumsonden näher studiert werden. Die NASA unterteilte die Missionsziele der Sonde in drei Prioritätskategorien, je nachdem, was die Wissenschaftler über Pluto und Charon erfahren wollen (die später entdeckten Monde sind noch nicht berücksichtigt):

Erforderlich

  • Beschreibung des globalen geologischen Aufbaus und der Geomorphologie von Pluto und Charon
  • Kartierung der Zusammensetzung der Oberflächen von Pluto und Charon
  • Beschreibung der neutralen (nicht ionisierten) Atmosphäre von Pluto und ihrer Fluchtrate

Wichtig

  • Beschreibung der zeitabhängigen Veränderlichkeit der Oberfläche und der Atmosphäre von Pluto
  • Stereo-Aufnahmen von Pluto und Charon
  • Kartierung der Tag-Nacht-Grenzen (Terminator) von Pluto und Charon in hoher Auflösung
  • Kartierung ausgewählter Oberflächengebiete von Pluto und Charon in hoher Auflösung
  • Beschreibung der Ionosphäre Plutos und ihrer Wechselwirkung mit dem Sonnenwind
  • Suche nach bestimmten chemischen Verbindungen wie Wasserstoff, Cyanwasserstoff, Kohlenwasserstoffen und Nitrilen in der oberen Atmosphäre Plutos
  • Suche nach einer Atmosphäre bei Charon
  • Bestimmung der bolometrischen Helligkeiten und daraus der geometrischen Albedos von Pluto und Charon
  • Kartierung der Oberflächentemperaturen von Pluto und Charon

Wünschenswert

  • Beschreibung der energiereichen Teilchen in der Nähe von Pluto und Charon
  • Verfeinerung der Parameter (Radien, Massen, Dichten) und der Umlaufbahnen von Pluto und Charon
  • Suche nach Magnetfeldern bei Pluto und Charon
  • Suche nach Planetenringen und weiteren Monden

Die NASA definiert die Mission von New Horizons als erfolgreich, wenn alle als erforderlich eingestuften Ziele erreicht werden. Mit Hilfe ihrer sieben Instrumente übertraf die Sonde sämtliche Ziele aller Prioritätskategorien bei weitem.

Zu den Missionszielen gehörte auch die weitere Erforschung des Jupiters, an dem die Sonde im Februar und März 2007 vorbeiflog. Wolkenbewegungen wurden beobachtet, es wurde die Magnetosphäre des Planeten untersucht und Ausschau nach Polarlichtern und Blitzen in Jupiters Atmosphäre gehalten. Über die vier großen Galileischen Monde konnten nur wenige wissenschaftliche Daten gewonnen werden, da die Sonde diese in einer relativ großen Entfernung passierte.

Die ursprüngliche Finanzierung des wissenschaftlichen Betriebes der Raumsonde endete mit der Primärmission im Jahr 2016. Die NASA genehmigte Anfang Juli 2016 die Finanzierung der Anschlussmission bis 2021 zur Untersuchung von 2014 MU69 und weiterer Objekte im Kuipergürtel.

 

Technik & Aufbau von New Horizons

 

Die Raumsonde hat etwa die Größe eines Konzertflügels und die Form eines Dreiecks mit einem zylinderförmigen Radioisotopengenerator (RTG), der an einer Spitze des Dreiecks angebracht ist. Außerdem verfügt sie über eine 2,1-m-Parabolantenne zur Kommunikation mit der Erde, die an einer Seite des Dreiecks befestigt ist. Die Abmessungen des Sondenkörpers ohne den RTG und ohne die Antenne sind: 0,7 m hoch, 2,1 m lang und 2,7 m an der breitesten Stelle.

Die Gesamthöhe vom Nutzlastadapter bis zum oberen Ende der Antenne beträgt 2,2 m. Die Gesamtmasse inklusive 77 kg Treibstoff und 30 kg wissenschaftlicher Nutzlast beträgt 478 kg. Bei einem Flug ohne einen Swing-by am Jupiter hätte die Startmasse der Sonde bei etwa 20 kg weniger gelegen.

Die Differenz hätte jedoch nur die Menge des mitgeführten Treibstoffs betroffen und ergibt sich aus der Tatsache, dass die Trägerrakete bei einem direkten Start zum Pluto höhere Endgeschwindigkeit erreichen muss und so weniger Nutzlast befördern kann.

Die ursprünglichen Planungen sahen eine Startmasse der vollbetankten Sonde von 465 kg vor, nach der Verifizierung der Leistung der neuen Atlas-V-Trägerrakete durch vorangegangene Starts konnte die Startmasse etwas vergrößert werden.

New Horizons - Raumsonde

Die tragende Struktur der Sonde besteht aus einem zentralen Aluminium-Zylinder, der den aus Titangefertigten Treibstofftank beherbergt und als Nutzlastadapter zwischen Sonde und Trägerrakete sowie als Schnittstelle zwischen Sonde und RTG dient. Der RTG ist mit Hilfe eines vierseitigen Titansockels an der Raumsonde befestigt.

Um die Masse der Sonde gering zu halten, sind die Paneele des Sondenkörpers aus Aluminium in Sandwichbauweise mit sehr dünnen Frontalplatten gefertigt (so dick wie zwei Lagen Papier). Elektronik und Instrumente sind um den Zylinder herum gruppiert, wobei die Anordnung der Systeme auf die Schwerpunktlage Rücksicht nehmen musste.

New Horizons kann sowohl drei-Achsen-stabilisiert als auch spinstabilisiert betrieben werden.

Drei-Achsen-Stabilisierung wird während wissenschaftlicher Beobachtungen und System- und Instrumententests angewandt, Spinstabilisierung (normalerweise mit fünf Umdrehungen pro Minute) während der Kurskorrekturmanöver, während langer Funkkontakte mit der Erde und während der Flugperioden.

Um eine Spinstabilisierung während des Flugs zu ermöglichen, wurde die Sonde vor dem Start genau vermessen und mit zusätzlich angebrachten Ausgleichsmassen ausbalanciert.

 

Ablauf der New Horizons Mission

 

Vorbereitung

 

Bereits seit Anfang der 1990er Jahre gab es Bestrebungen, eine solche Mission zu Pluto zu starten. Vorrangig war dabei, Pluto zu erreichen, bevor seine dünne Atmosphäre ausfrieren würde, denn die Umlaufbahn des Zwergplaneten ist sehr exzentrisch, und Pluto erreichte den sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn (Perihel) bereits 1989.

Diese Annahme, dass die Atmosphäre nach der Passage des sonnennäheren Bahnbereiches bald ausfrieren würde, konnte jedoch bislang nicht bestätigt werden. Gegenwärtig entfernt sich Pluto von der Sonne, sodass es auf ihm immer kälter wird; erst im Jahr 2247 wird er sein nächstes Perihel einnehmen.

Die ersten Konzepte einer Mission jedoch (Pluto Fast Fly-By, Pluto Kuiper Express) scheiterten an technischen und finanziellen Schwierigkeiten. Ende 2000 gab es mit New Horizons einen neuen Vorschlag einer Pluto-Mission. Schließlich wurde dieser Vorschlag am 29. November 2001 als erste Mission des neu geschaffenen New-Frontiers-Programms zur Realisierung genehmigt.

Die Instrumente der Sonde wurden zwischen Juli 2004 und März 2005 ausgeliefert, Zusammenbau und Prüfung liefen von August 2004 bis Mai 2005. Vom Mai bis September 2005 wurde die fertig gebaute Sonde ausgiebig getestet, am 24. September 2005 erfolgte der Transport nach Cape Canaveral.

Ende Oktober beschädigte in Cape Canaveral der Hurrikan Wilma einen Feststoffbooster der fast fertig montierten Atlas-V-Trägerrakete für New Horizons, als ein Tor der Montagehalle dem Winddruck nicht standhielt. Der Booster konnte jedoch noch rechtzeitig vor dem geplanten Starttermin am 11. Januar 2006 ausgetauscht werden.

Am 16. Dezember 2005 ordnete die NASA eine zusätzliche Überprüfung der Tanks der ersten Stufe an, weil bei einem Druckbelastungstest einer anderen Atlas-Rakete diese Stufe der geforderten Maximalbelastung nicht standgehalten hatte. Dadurch verschob sich der für den 11. Januar angesetzte Starttermin um sechs Tage auf den 17. Januar 2006.

 

Start von New Horizons

 

Das Startfenster öffnete sich am 11. Januar 2006 und blieb bis zum 14. Februar 2006 bestehen. Allerdings bestand nur bei einem Start bis einschließlich 2. Februar die Möglichkeit eines Vorbeiflugs (Swing-by-Manöver) am Jupiter. Danach hätte man Pluto nur auf direktem Weg erreichen können, was die Flugzeit um mehrere Jahre verlängert und die Menge des mitführbaren Treibstoffes um 20 kg reduziert hätte.

 

Nachdem der geplante Start am 17. Januar 2006 wegen zu starken Windes mehrmals hatte verschoben werden müssen, sollte New Horizons am 18. Januar 2006 starten.

Wegen eines Stromausfalls in der Bodenstation der Johns Hopkins University konnte auch dieser Termin nicht gehalten werden.

Am 19. Januar startete New Horizons nach mehreren Verschiebungen wegen dichter Bewölkung schließlich um 19:00 Uhr UTC (das Startfenster war von 18:07 bis 20:07 Uhr UTC offen) von Launch Complex 41.

Nach 44 Minuten und 55 Sekunden wurde die Sonde von der Rakete in ihrer endgültigen Flugbahn ausgesetzt.

Der Start erfolgte mit einer Atlas-V(551)-Rakete.

Obwohl diese Rakete zu diesem Zeitpunkt die stärkste aktive Trägerrakete der Welt war, musste die Nutzlast mit einer zusätzlichen Star-48B-Stufe ausgestattet werden, um die Sonde auf eine hohe Geschwindigkeit deutlich über der Fluchtgeschwindigkeit beschleunigen zu können.

New Horizons Raumsondenstart

New Horizons verließ die Erde mit der höchsten je dabei erreichten Geschwindigkeit von 16,21 km/s. An anderen Tagen des Startfensters wäre die Geschwindigkeit etwas anders gewesen. Besonders nach dem 2. Februar, ohne die Möglichkeit eines Vorbeiflugs am Jupiter, hätte die Geschwindigkeit der dann leichteren Sonde noch deutlich höher sein müssen.

Wäre die Sonde 2006 nicht gestartet worden, hätte es zwischen dem 2. Februar 2007 und 15. Februar 2007 ein weiteres Startfenster gegeben, das aber ebenfalls nur einen direkten Flug zu Pluto mit den entsprechenden negativen Konsequenzen erlaubt hätte.

 

Auf dem Weg zum Jupiter

 

Einen Tag nach dem Start wurde die hohe Rotation der Sonde, in die sie von der Raketenoberstufe versetzt wurde, von 68 auf 19,2 Umdrehungen pro Minute reduziert. Am 22. Januar wurde die Rotation weiter auf fünf Umdrehungen pro Minute gesenkt, und die Sternenkameras wurden in Betrieb genommen.

Am 28. Januar 2006 wurde die erste Kurskorrektur (TCM-1A) durchgeführt, wobei die Triebwerke für etwa fünf Minuten feuerten. Zwei Tage später folgte die nächste, zwölf Minuten lange Kurskorrektur (TCM-1B). Die beiden Kurskorrekturen ergaben eine Geschwindigkeitsänderung von 18 m/s. Eine weitere Kurskorrektur (TCM-2) war für den 15. Februar geplant, wurde jedoch abgesagt. Die nächste, 76 Sekunden lange Kurskorrektur (TCM-3) erfolgte am 9. März und war die erste, die im drei-Achsen-stabilisierten Betrieb durchgeführt wurde. Durch TCM-3 wurde die Geschwindigkeit der Sonde um 1,16 m/s verändert.

Im Februar wurde der Schutzverschluss des Alice-Spektrometers geöffnet und am 13. März folgte der des SWAP-Instruments. Ebenfalls im März wurde das SDC-Experiment aktiviert. Bis zum 29. März hatten alle Instrumente ihre internen Elektronik-Checks absolviert. Am 7. April 2006 kreuzte die Sonde nach 78 Tagen Flugzeit die Bahn des Planeten Mars. Im Mai wurden die Schutzverschlüsse der Instrumente PEPSSI (3. Mai), Alice (20. Mai) und Ralph (29. Mai) geöffnet. Im Sommer wurden die Kalibrierungen der Experimente durchgeführt.

Anfang Mai 2006 stellten die Wissenschaftler fest, dass sich New Horizons auf dem Weg durch den Asteroidengürtel dem 3 bis 5 km großen Asteroiden (132524) APL nähern werde. Die Sonde kam am 13. Juni 2006 um 04:05 Uhr UTC bis auf 101.867 km an den Asteroiden heran.

Da der Schutzverschluss der hochauflösenden Kamera LORRI wegen der zu geringen Distanz zur Sonne noch nicht geöffnet war (wurde erst am 29. August 2006 geöffnet), erfolgten die visuellen Beobachtungen nur mit dem schwächeren Ralph-Instrument. Dieses konnte den Asteroiden lediglich als ein Objekt von ein bis zwei Pixeln Größe auflösen.

Am 4. September nahm New Horizons ihr erstes Bild von Jupiter auf. Dieses wurde mit der LORRI-Kamera erzeugt, die Entfernung zum Riesenplaneten betrug zum Zeitpunkt der Aufnahme 291 Millionen Kilometer. Auch andere Instrumente beobachteten Jupiter, in erster Linie zum Zweck der Kalibrierung.

 

Vorbeiflug am Jupiter

 

Die ersten wissenschaftlich relevanten Untersuchungen des Jupitersystems begannen im Januar 2007 und dauerten bis Ende Juni 2007 an. Es waren etwa 700 Beobachtungen und Messungen des Gasplaneten, seiner Monde und seiner Magnetosphäre geplant.

Am 28. Februar 2007 flog New Horizons am Jupiter vorbei, die kleinste Entfernung zum Riesenplaneten wurde um 05:43 Uhr UTC erreicht und betrug circa 2,3 Millionen Kilometer (ca. 32 Jupiterradien). Dies ist ein Drittel der Entfernung, in der die Saturnsonde Cassini-Huygens den Jupiter passierte. Die Flugbahn von New Horizons lag knapp außerhalb der Umlaufbahn von Kallisto, dem äußersten der vier Galileischen Monde.

Während des Vorbeifluges fertigte die Sonde Aufnahmen von Jupiter, seinen Ringen und den vier Galileischen Monden an, außerdem wurden Messungen des Magnetfeldes durchgeführt. Auf Io konnte ein Vulkanausbruch beobachtet werden. Durch den Vorbeiflug erfuhr die Sonde einen Geschwindigkeitszuwachs von 3890 m/s und wurde auf eine Flugbahn zum Pluto umgelenkt, wobei sie um etwa 2,5° nordwärts aus der Ekliptik herausgelenkt wurde.

 

Der Weg durchs äußere Sonnensystem

 

Am 8. Juni 2008 kreuzte New Horizons die Umlaufbahn von Saturn, blieb dabei aber weit von ihm entfernt. Am 30. Juni 2010 wurde eine Kurskorrektur durchgeführt und durch einen Schubimpuls von 36 Sekunden Dauer die Geschwindigkeit der Sonde um etwa 0,45 m/s erhöht, um eine Abbremsung durch vom Isotopengenerator an der HGA rückgestreute Thermalstrahlung auszugleichen.

Am 18. März 2011 um 23 Uhr erreichte die Sonde die Umlaufbahn von Uranus, wobei der Gasriese zu diesem Zeitpunkt mehr als 3,8 Milliarden Kilometer entfernt war und daher keine Beobachtungen durchgeführt wurden. Am 25./26. August 2014 wurde die Umlaufbahn von Neptun erreicht, exakt 25 Jahre nach dem Vorbeiflug von Voyager 2 an Neptun. Auch Neptun befand sich dann für sinnvolle Beobachtungen des Planeten zu weit von New Horizons entfernt, dennoch wurden am 10. Juli 2014 einige Aufnahmen von Neptun aus der Ferne gemacht.

Man wollte auch Neptun-Trojaner wie etwa 2011 HM102 beobachten, falls sie der Sonde nahe genug kämen. Da sich New Horizons jedoch bis auf höchstens 180 Mio. km näherte, was für eine sinnvolle Beobachtung nicht ausreichte, wurde schließlich auf eine Beobachtung verzichtet.

 

Pluto & Charon

 

Am 14. Juli 2015 erreichte die Sonde den Zwergplaneten Pluto und passierte ihn mit einer Geschwindigkeit von 14,5 km/s. Die Beobachtungen des Pluto-Charon-Systems begannen etwa 150 Tage vor der größten Annäherung. Am 15. April 2015 wurde das erste kombinierte Farbbild von Pluto und Charon veröffentlicht.

Die Aufnahmen der LORRI-Kamera übertrafen das beste Auflösungsvermögen des Hubble-Weltraumteleskops. In den darauf folgenden Wochen wurden in Abständen von drei bis sechs Tagen immer detailreichere Bilder der Pluto-Oberfläche und seines größten Begleiters veröffentlicht und zum Teil auch zu Animationen zusammengestellt.

Am 4. Juli 2015 und damit 10 Tage vor dem Vorbeiflug versetzte New Horizons sich aufgrund eines Computerproblems in einen Sicherheitsmodus. Dabei wurde auf das redundante B-side-Computersystem umgeschaltet. Am 7. Juli 2015 war der Fehler behoben, und New Horizons konnte seinen wissenschaftlichen Betrieb wieder aufnehmen. Während des Vorbeifluges war es der Sonde nicht möglich, in den Sicherheitsmodus zu schalten.

Es wurden globale Karten von Pluto und Charon erstellt, Hochauflösungsfotos mit bis zu 25 m pro Pixel Auflösung gewonnen, die Temperaturverteilung gemessen und die Atmosphäre des Pluto studiert. Planmäßig flog die Sonde um 13:50 MESZ in 12.500 km Entfernung an Pluto und um 14:04 MESZ in 28.800 km Entfernung an Charon vorbei. Um 14:51 MESZ durchquerte sie den Schatten von Pluto, um 16:18 Uhr MESZ den von Charon, dabei gewann sie Daten über die Atmosphäre. Die besonders datenintensive Phase des Vorbeiflugs dauerte – je nach Definition – maximal drei Stunden.

Da die Übertragungsrate bei der hohen Entfernung zwischen Sonde und Erde für eine Übertragung in Echtzeit zu gering war, wurden die Daten zunächst auf einem 8 GB großen Flash-Speicher gespeichert. In der Woche nach dem Vorbeiflug wurden zunächst Daten gesendet, die als besonders wichtig betrachtet werden. Danach folgten laufende Messungen von Experimenten wie SWAP und PEPSSI, die nur eine geringe Datenrate produzierten und die auch nach dem Vorbeiflug weiter Messungen durchführen.

Am 5. September 2015 begann man damit, alle gespeicherten Daten vom Vorbeiflug in voller Datenqualität zu übertragen. Dies wird ungefähr ein Jahr dauern. Ursprünglich war vorgesehen, zunächst zehn Wochen lang weitere Daten vom Vorbeiflug stark komprimiert und mit geringerer Qualität zu senden. Alan Stern, der wissenschaftliche Leiter der Mission, entschied aber aufgrund der schlechten Datenqualität, diese Phase zu überspringen.

 

Sekundärmission 2014 MU69 Flyby

 

Nach dem Vorbeiflug am Pluto fliegt New Horizons weiterhin durch den Kuipergürtel und wird im weiteren Verlauf die Heliopause und die Oortsche Wolke erreichen. 2016, also 10 Jahre nach dem Start, ist die Sonde in ausgezeichnetem Zustand, alle Systeme arbeiten wie erwartet.

Bis Oktober 2014 wurden mit Hilfe von Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops drei mögliche Ziele im Kuipergürtel ausgemacht. Im Rahmen des Citizen-Science-Projekts Ice Hunters waren bei der Suche Freiwillige beteiligt. Hierzu werteten sie Bilder aus, die aus der Subtraktion von in zeitlichen Abständen erstellten Aufnahmen gewonnen wurden. Astronomische Kenntnisse waren für diese Tätigkeit nicht notwendig.

Die NASA wählte im August 2015 aus fünf potentiellen Zielen das Objekt 2014 MU69 als nächstes Ziel der Raumsonde aus. 2014 MU69 ist 25 bis 45 km groß. Die Raumsonde wird 35 % ihrer Treibstoffreserven verbrauchen, um es zu erreichen. Der Vorbeiflug ist für den 1. Januar 2019 geplant. Zum Zeitpunkt der Begegnung wird sich 2014 MU69 in einer Entfernung von 43,4 AE von der Sonne befinden.

New Horizons - 2014_MU69_orbit

Am 22., 25. und 28. Oktober und 4. Nov. 2015 wurden die Triebwerke viermal für 25 Minuten gefeuert, um die Sonde auf den Kurs zu 2014 MU69 zu bringen. Die NASA genehmigte Anfang Juli 2016 die Finanzierung der Anschlussmission.

Die Anschlussmission unter dem Namen Kuiper Belt Extended Mission (KEM) ist finanziert bis zum Jahr 2021, in dieser Zeit wird die Sonde knapp 2 Milliarden km zurücklegen. Die Sonde soll in einer Entfernung von nur 3000 km an 2014 MU69 vorbeifliegen und es sollen dabei alle Instrumente eingesetzt werden, entsprechend der Beobachtung von Pluto.

Die Übermittlung der Daten wird voraussichtlich ungefähr 20 Monate dauern bis gegen Ende 2020. Außer 2014 MU69 sollen jedoch noch ungefähr 20 weitere Objekte aus größeren Entfernungen beobachtet werden.

Eine größere Anzahl von Objekten soll auf mögliche Ringsysteme untersucht werden. Es soll außerdem ein heliopshärischer Querschnitt des Kuipergürtels bis zu einer Entfernung von 50 AE generiert werden, dazu sollen von 2016 bis 2020 nahezu ununterbrochen Plasma, Staubpartikel und nicht ionisierte Gase gemessen werden. Nach dem Vorbeiflug können in den Jahren 2020 bis 2021 allgemeine astrophsyikalische Untersuchungen gemacht werden, wenn die NASA solche anfordert.

 

Beobachtung weiterer KBOs

 

Im November 2015 und April 2016 wurde das Objekt (15810) 1994 JR1 mit Hilfe von LORRI beobachtet. Durch gleichzeitige Beobachtung mit Hubble konnte die Bahn des Objekts unter Ausnützung der Parallaxe wesentlich genauer bestimmt werden. Die Beobachtung ergab außerdem eine Rotationsperiode von 5,47 Stunden und, dass die Oberfläche ziemlich uneben sein muss.

Beobachtungen sind geplant für 2012 HZ84, 2014 PN70, 2014 OS393, 2011 JA32, 2011 HZ102, 2012 HE85, 2011 JW31, 2011 JY31, 2011 HF103, 2011 HK103, 2011 JX31, (15810) 1994 JR1, die Zentauren Pholus, 2011 JJ124, Chiron, die Plutinos Huya, 2002 KX14 und die Zwergplaneten 2002 MS4, Ixion, Quaoar, Haumea, Makemake und Eris. 2014 OS393 und 2014 PN70 waren dabei zuvor als mögliche Sekundärziele für einen Vorbeiflug im Gespräch.

Die Energieversorgung wird nach Alan Stern bis in die 2030er Jahre ausreichen. Berechnungen zufolge wird etwa 2035 der Termination Shock erreicht und die Heliopause etwa 2047.

Anmerkungen

Autorenliste Wikipedia

Copyright Fotos / Grafiken v.o.n.u.v.l.n.r.: NASA , NASANASA/Kim ShiflettAlex Parker 

Lizenzbestimmungen Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (abgekürzt)