Raumfahrtbehörde Roskosmos

 

 

Roskosmos – Weltraumorganisation der Russischen Föderation

 

Roskosmos ist die Weltraumorganisation der Russischen Föderation. Sie ist ein staatliches Unternehmen und am 1. Januar 2016 per Dekret des russischen Präsidenten Putin aus der ehemaligen und gleichnamigen Raumfahrtbehörde hervorgegangen. Sie ist für das zivile Raumfahrtprogramm des Landes zuständig und hat ihren Sitz im sogenannten Sternenstädtchen Swjosdny Gorodok nahe Moskau.

 

Roskosmos – Geschichte

 

Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde 1992 der gleichnamige Vorgänger als staatliche Raumfahrtbehörde gegründet. Diese Agentur übernahm die wesentlichen Ressourcen der sowjetischen Raumfahrt und war insbesondere für das zivile Raumfahrtprogramm Russlands zuständig. Frühere Namen der Behörde waren RKA (Rossijskoje Kosmitscheskoje Agenstwo), RAKA (Rossiiskoje Awiazionno-Koswitscheskoje Agenstwo) und Rosaviakosmos.

Der kommissarische Leiter der Behörde Roskosmos war seit Januar 2015 Igor Komarow, der vorher bereits die seit 2013 im Aufbau befindliche Vereinigte Raketen- und Raumfahrtkorporation (ORKK) leitete. Nach Umstrukturierungsmaßnahmen, insbesondere wegen mehrerer Fehlstarts aber auch verstärkter Korruption beim Bau des neuen Kosmodrom Wostotschny, wurde die Behörde Roskosmos zum 31. Dezember 2015 aufgelöst und zusammen mit der ORKK zum 1. Januar 2016, unter Beibehaltung des Namens Roskosmos, in ein staatliches Unternehmen überführt.

Zu Zeiten der Sowjetunion gab es keine zentrale Raumfahrtorganisation. Die Entwicklungen fanden in den sogenannten OKB statt. Bekanntestes Beispiel ist das OKB-1 unter Leitung von Sergei Koroljow, welches u.a. für die Entwicklung von Sputnik 1 aber auch für den ersten Weltraumflug von Juri Gagarin zuständig war. Wichtige Entscheidungen wurden damals überwiegend vom Rat der Leiter dieser Konstruktionsbüros unter Einbindung der Politik getroffen.

 

Allgemeines über Roskosmos

 

Roskosmos benutzt aktuell zwei Raumfahrtbahnhöfe: Plessezk bei Archangelsk in Russland sowie Baikonur in Kasachstan, die ehemalige Hauptbasis der sowjetischen Raumfahrt. Für die Nutzung von Baikonur müssen auf Basis eines Pachtvertrages Gebühren an Kasachstan bezahlt werden. Als mögliche Alternative zu Baikonur wurde Swobodny im Fernen Osten Russlands in Betracht gezogen. Eine Vielzahl von Raketenstarts erfolgte auch vom Startkomplex Kapustin Jar an der Wolga. Seit 2012 befindet sich das Kosmodrom Wostotschny in der Amur-Region im Bau. Der erste unbemannte Start vom Kosmodrom Wostotschny erfolgte am 28. April 2016.

Lange Zeit unterhielt die russische Raumfahrtbehörde die Raumstation Mir, die trotz Finanzierungsschwierigkeiten sogar acht Jahre länger als vorgesehen in Betrieb war. Sie wurde schließlich am 23. März 2001 aufgegeben, da man sich auf die Internationale Raumstation (ISS) konzentrieren wollte.

Russland beteiligt sich jetzt maßgeblich an der ISS, zu deren Versorgung, seit der Einstellung des Space-Shuttle-Programms, die Sojus-Rakete mit dem Sojus-Raumschiff und dem Progress-Raumtransporter eingesetzt werden.

Roskosmos ist Vollmitglied des Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS).

 

Raumfahrtprogramm 2006–2015

 

Am 14. Juli 2005 wurde das neue Raumfahrtprogramm für die Jahre 2006 bis 2015 von der russischen Regierung genehmigt, allerdings sollte noch bis zum 1. September 2005 nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden. Das Programm sah Investition von 305 Milliarden Rubel (9 Mrd. Euro) in diesen zehn Jahren vor, davon 23 Milliarden (680 Mio. Euro) bereits im Jahr 2006. Diese Summe lag um etwa 25 % über jener, die für das Jahr 2005 vorgesehen war. Der Zehnjahresplan sah jährliche Steigerung der Ausgaben um 6 % vor, sowie weitere 130 Milliarden Rubel (3,9 Mrd. Euro) an außerbudgetlichen Quellen wie der Industrie. Die Finanzierungshöhe der russischen Raumfahrt lag damit etwa auf gleichen Niveau wie jene der indischen Weltraumbehörde ISRO. Am 22. Oktober 2005 wurde das Raumfahrtprogramm 2006–2015 von der russischen Regierung offiziell gebilligt.

Das neue Raumfahrtprogramm sah in den Jahren von 2008 bis 2010 vor allem die Vervollständigung des Satellitenparks durch neue Kommunikations-, Wetter- und Erdbeobachtungssatelliten vor. Zudem sollte der Bau neuer ISS-Module, die Fobos-Grunt-Marsmission, die Venera-D-Venusmission, die Luna-Glob-Mondmission sowie mehrere wissenschaftliche Satelliten finanziert werden.

Weiterhin stand die Modernisierung russischer Trägerraketen auf dem Programm: Die abschließenden Arbeiten an den Sojus-2 und Angara-Raketen, Konzeptstudien über zukünftige Weiterentwicklungen (z. B. Sojus-3) sowie ein Projekt zur Entwicklung eines wiederverwendbaren Trägers der nächsten Generation, an dem Russland zusammen mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) interessiert war (Orjol-Programm). Auch das Kliper-Programm wurde budgetiert, das Raumschiff sollte 2012 oder 2013 seinen Erstflug absolvieren, wurde nach der Übernahme des Herstellers RKK Energija durch Roskosmos im Juli 2007 jedoch eingestellt. Es soll jetzt durch das Raumschiff Rus ersetzt werden, dessen erster bemannter Flug um das Jahr 2020 erfolgen könnte. Die Entwicklung der Rus-M-Trägerrakete wurde 2011 zugunsten der Angara aufgegeben.

Anmerkungen

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