Skylab 2

 

 

 

 

 

Skylab 2 – Vorbereitungen

 

Skylab 2 (SL-2) war die erste Besatzung der US-amerikanischen Weltraumstation Skylab. Das Weltraumlabor war beim Start beschädigt worden, so dass die Mission vor allem aus Reparaturarbeiten bestand. Mit einer Verweildauer von vier Wochen im All wurde ein neuer Langzeitrekord aufgestellt.

Seit dem Flug von Apollo 7 im Oktober 1968 waren keine Starts der Rakete Saturn 1B mehr vorgenommen worden. Die damalige Startrampe war nicht mehr zu verwenden, so dass für die bemannten Skylab-Starts eine Rampe im Kennedy Space Center umgebaut werden musste. Dabei wurde die kürzere Saturn 1B auf ein Podest gestellt, damit der für die Saturn V vorgesehene Startturm verwendet werden konnte.

Um die Versorgungseinrichtungen der Rampe LC-39B zu testen, wurde die montierte Rakete AS-206, allerdings mit einer Raumschiff-Attrappe, im Januar 1973 zur Startrampe transportiert. Nachdem überprüft wurde, dass alle Brücken richtig positioniert waren und eine Probebetankung erfolgreich verlief, wurde die Rakete in die Montagehalle zurückgebracht, wo das Apollo-Raumschiff am 21. Februar montiert wurde.

Das Raumschiff CSM-116 war ursprünglich für den Mondflug von Apollo 20 vorgesehen. Als diese Mission im Januar 1970 gestrichen wurde, konnte das Raumschiff noch für die Skylab-Mission umgebaut werden. Da das Apollo-Raumschiff an der Raumstation für mehrere Wochen stillgelegt wurde, konnte die Energieversorgung nicht über Brennstoffzellen erfolgen, so dass wieder Batterien zum Einsatz kamen. Außerdem waren verschiedene Einrichtungen für wissenschaftliche Experimente in der Mondumlaufbahn nicht mehr notwendig.

 

Schäden beim Start der Raumstation

 

Ursprünglich war der Start von Skylab 2 für den 15. Mai geplant, einen Tag nachdem mit Skylab 1 das Weltraumlabor in die Erdumlaufbahn gebracht wurde. Da das Labor aber beim Start beschädigt wurde, musste Skylab 2 so lange verschoben werden, bis man ein klares Bild von den Schäden und den Reparaturmöglichkeiten hatte.

Es stellte sich heraus, dass offenbar ein Hitzeschild und ein Solarmodul weggerissen worden waren. Außerdem konnte ein weiteres Solarmodul nicht ausgefahren werden. Untersuchungen zeigten, dass möglicherweise Reste des abgerissenen Hitzeschildes die Entfaltung verhinderten.

In Windeseile wurden Reparaturpläne entworfen und Werkzeuge entwickelt, darunter ein Schneidegerät auf der Basis kommerzieller Baum- und Blechscheren, das mit Verlängerungen versehen wurde, sowie Stangen und Seilzüge. Um die Schwerelosigkeit zu simulieren, übte die Mannschaft in einem Wassertank die notwendigen Schritte. Gleichzeitig versuchte die Leitstelle, Temperatur und Energieversorgung in der Raumstation unter Kontrolle zu behalten.

 

Flugverlauf von Skylab 2

 

Mit zehn Tagen Verspätung startete Skylab 2 am 25. Mai 1973. Die neue Startrampe, bei der die relativ kleine Rakete auf einem Podest stand, bewährte sich hervorragend.

Nach zehn Minuten war das Apollo-Raumschiff, das übrigens kein eigenes Rufzeichen hatte, im Orbit und fünf Erdumkreisungen später wurde das Rendezvous mit der Raumstation durchgeführt. Die Astronauten flogen langsam um Skylab herum, um die Beschädigungen genau zu besichtigen und Fernsehbilder davon zur Erde zu übertragen. Wie erwartet fehlten große Teile des Hitzeschildes und ein Solarmodul. Das gegenüberliegende Solarmodul war verklemmt und nicht entfaltet.

Weitz versuchte, in der geöffneten Apollo-Luke stehend, das blockierte Solarmodul mit einer langen Stange mit einem hakenförmigen Ende zu lösen. Kerwin hielt ihn dabei an den Beinen fest, während Conrad vorsichtig das Apollo-Raumschiff manövrierte. Dieser Versuch schlug jedoch fehl und verbrauchte einen erheblichen Teil des Lageregelungstreibstoffs der Station.

Erst am Folgetag stiegen die Astronauten in die Raumstation um, die durch das Fehlen des Hitzeschildes stark aufgeheizt war. Der Mannschaft gelang es, durch eine der beiden kleinen Schleusen, die eigentlich für Experimente vorgesehen gewesen war, eine schirmartige Hitzeschutzfolie außerhalb der Station zu entfalten und aufzuspannen, so dass die Temperatur auf erträgliche Werte sank. Die Entwicklung und Herstellung dieser Folie wurde innerhalb von sieben Tagen durchgeführt.

Am 7. Juni unternahmen Conrad und Kerwin einen Außenbordeinsatz, um das verklemmte Solarmodul zu befreien, was nach viel Mühe auch gelang. Die Raumstation wies in diesem Teil keine Haltegriffe auf. Die Astronauten versuchten, mit einem Seil, unter dem sie sich aufrichteten, das Modul zu befreien, was aber nicht zum Erfolg führte. Conrad sah sich gezwungen, einige verbogene Aluminiumlaschen abzutrennen, zog dann manuell am Modul, und wurde vom sich entfaltenden Ausleger weggestoßen. Ab diesem Tag war Skylab voll funktionsfähig.

In den verbleibenden zwei Wochen führte die Besatzung verschiedene wissenschaftliche Experimente durch. Ein weiterer Außenbordeinsatz wurde von Conrad und Weitz am 19. Juni durchgeführt, um den Film am Sonnenobservatorium zu wechseln.

Am 22. Juni stieg die Mannschaft in die Apollo-Landekapsel um und kehrte zur Erde zurück. Skylab blieb etwa einen Monat ohne Besatzung.

Nach der Wasserung vor der Pazifik-Küste der USA wurden die Skylab-Mannschaft samt der Landekapsel an Bord des Bergungschiffs USS Ticonderoga gehievt. Nach den Mondflügen waren die Astronauten zuerst in ein Schlauchboot umgestiegen und wurden dann in einen Hubschrauber gehoben. Da man aber noch nicht wusste, wie die Astronauten nach einem längeren Weltraumaufenthalt auf die Schwerkraft reagieren würden, sah man von dieser Methode bei den Skylab-Flügen ab.

 

Bedeutung von Skylab 2 für das Skylab-Projekt

 

Dieser Weltraumflug war ein wichtiger Schritt für die bemannte Raumfahrt. Wieder einmal war gezeigt worden, dass der Mensch unvorhergesehene Ereignisse in den Griff bekommen kann. Ohne menschlichen Eingriff wäre die Raumstation nach einigen Tagen verloren gewesen.

So aber hatten die Astronauten vier Wochen in der ersten amerikanischen Raumstation gelebt und gearbeitet. Die Einrichtung und die Ausrüstung hatte sich dabei größtenteils als praktisch und nützlich erwiesen.

Ein anderer, aber nicht weniger wichtiger Gesichtspunkt war, dass die Astronauten von ihrem vierwöchigen Aufenthalt in der Schwerelosigkeit keinen Schaden davongetragen hatten. Nichts deutete darauf hin, dass noch längere Missionen Probleme bereiten könnten.

Auch aus wissenschaftlicher Sicht war die Mission ein Erfolg. Zwar konnten nicht alle Experimente wie gewünscht durchgeführt werden, aber wenn man berücksichtigte, dass durch die Reparaturen wertvolle Zeit verloren gegangen war, konnte man mit der Menge der erhaltenen Daten vollauf zufrieden sein. Die medizinischen Experimente wurden fast vollständig durchgeführt, die Sonnenbeobachtungen zu etwa 80 % und die Erdbeobachtungen zu etwa 60 %.

Das Apollo-Raumschiff hatte sich auch für diesen Missionstyp bewährt. Die Ruhepause von knapp vier Wochen zwischen Hin- und Rückflug hatte keinerlei Probleme bereitet.

Für die Amerikaner bedeuteten die 28 Tage von Skylab 2 auch, dass der Langzeitrekord von Sojus 11, der im Juni 1971 mit 23 Tagen aufgestellt wurde, wieder in die USA geholt wurde. Außerdem hielt Charles Conrad mit 49 Tagen nun auch den Rekord für den längsten Gesamtaufenthalt eines Raumfahrers im Weltraum.

All diese Rekorde sollten von der zweiten Mannschaft mit Skylab 3 gebrochen werden.

Anmerkungen

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