Deutsche Zentrum

 

für Luft- und Raumfahrt

 

 

 

Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt

 

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) ist das Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt sowie Energietechnik, Verkehr und Sicherheit im Bereich der angewandten und Grundlagenforschung. Es hat seinen Hauptsitz in Köln und ist an weiteren 15 nationalen und 4 internationalen Standorten vertreten. Bei seinen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten kooperiert das DLR weltweit mit anderen Forschungseinrichtungen und der Industrie.

Die älteste Vorgängerorganisation des DLR wurde 1907 von Ludwig Prandtl in Göttingen gegründet. Aus dieser Modellversuchsanstalt der Motorluftschiff-Studiengesellschaft wurde später die Aerodynamische Versuchsanstalt (AVA). Das DLR entstand 1969 unter dem Namen Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) durch den Zusammenschluss mehrerer Einrichtungen. Neben der Aerodynamischen Versuchsanstalt waren das die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) und die Deutsche Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) sowie 1972 die Gesellschaft für Weltraumforschung (GfW).

1989 wurde die DFVLR in Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) umbenannt. Durch die Fusion der Deutschen Agentur für Raumfahrtangelegenheiten (DARA) mit der DLR zum 1. Oktober 1997 wurde der Name in „Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ (DLR) geändert.

 

Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt –  Unternehmensstruktur

 

Das DLR ist ein eingetragener Verein. Der Vorstand besteht aus sechs hauptamtlichen Mitgliedern mit der Vorstandsvorsitzenden Pascale Ehrenfreund (seit 15. August 2015). Damit ist das DLR die erste deutsche Großforschungseinrichtung, an deren Spitze eine Frau steht.

Das DLR beschäftigt etwa 8.000 Mitarbeiter (Stand 2016) und besitzt in Deutschland 32 verschiedene Institute, Test- und Betriebseinrichtungen an insgesamt 16 Standorten. Jeder Standort besitzt seinen spezifischen Schwerpunkt. Am Hauptstandort Köln (Sitz des Vorstandes) sind etwa 1.500 Mitarbeiter beschäftigt. Der größte Standort mit rund 1.700 Mitarbeitern ist Oberpfaffenhofen. Das DLR verfügt auch über ein Büro in Berlin, das im WissenschaftsForum Berlin seinen Sitz hat. Zudem betreibt das DLR Verbindungsbüros in Brüssel, Paris, Tokio und Washington D.C.

Der Etat des DLR für die eigenen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie für Betriebsaufgaben betrug im Geschäftsjahr 2012 etwa 798 Mio. Euro. Davon waren rund 53 % im Wettbewerb eingeworbene Drittmittel. Zudem verwaltet das DLR als Projektträger ein Budget von über 2.500 Mio. Euro für Raumfahrt, Weltraum- und Luftfahrtforschung. Geringere Mittel flossen von der australischen Defence Science and Technology Organisation für die Dual-Use-Forschung an einem Hyperschall-Fluggerät.

Das DLR ist Vollmitglied des Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) sowie Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren und der European Cooperation for Space Standardization (ECSS).

Die Bereiche des administrativen und technischen Managements bestehen aus den sieben Organisationseinheiten: Kommunikation, Politik- und Wirtschaftsbeziehungen, Strategie und internationale Beziehungen, Administration, Informations- und Kommunikationstechnikmanagement, Qualitäts- und Produktsicherung, Revision und Unternehmensbeteiligungen.

 

DLR – Forschungsbereiche & Kooperationspartner

 

Zu den Aufgaben des DLR zählt im Wesentlichen die Erforschung von Erde und Sonnensystem sowie die Entwicklung nachhaltiger und umweltverträglicher Technologien. Diesbezüglich erforscht das DLR folgende Bereiche:  Luftfahrt, Raumfahrt, Verkehr, Energie und Sicherheit. Die Tätigkeiten reichen dabei von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Forschung.

Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt - Hauptquartier in Köln-Lind

Das DLR betreibt Großforschungsanlagen wie das weltweit einmalige Katapult für die Erforschung von Hochgeschwindigkeitszügen.

Neben eigener Forschungsaktivität arbeitet die DLR mit nationalen und internationalen Partnern aus Politik, Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft zusammen.

Beispielsweise unterhält das DLR gemeinsam mit der französischen Luft- und Raumfahrteinrichtung ONERA Europas größte mobile Standschwingungsanlage.

In Deutschland ist das DLR von der deutschen Bundesregierung für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten beauftragt.

DLR ist als Projektträger für die Umsetzung von Förderprojekten verschiedener Ministerien der Bundesrepublik Deutschland (u. a. des BMBF, BMWi und des BMVI) zuständig.

International arbeitet das DLR eng mit der NASA und der ESA, sowie mit militärischen Einrichtungen, etwa der US-Luftwaffe zusammen.

Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Geschäftsfeld Raumfahrt

 

Die deutschen Aktivitäten in der Weltraumforschung durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt reichen von Experimenten in Schwerelosigkeit, über die Erforschung anderer Planeten, bis zur Umweltbeobachtung aus dem All. Außerdem nimmt das DLR als Raumfahrtagentur der Bundesrepublik Deutschland hoheitliche Aufgaben für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten wahr. Der Projektträger im DLR ist in weiten Bereichen ebenfalls mit hoheitlichen Aufgaben bei der Betreuung der Fördermittel beliehen.

Ein eigener Weltraumbahnhof (bzw. Raumhafen) für den Verkehr über die Kármán-Linie (100 km) hinaus bis in den Weltraum steht dem DLR bzw. der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2014 noch nicht zur Verfügung. Für Raumfahrtmissionen muss deshalb meist auf den CSG-Raumhafen in Französisch-Guayana ausgewichen werden, oft in Kooperation mit der ESA.

Neben den bestehenden Projekten Mars Express, Galileo (Satellitennavigation) und Shuttle Radar Topography Mission wurde am 26. Januar 2007 das Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen gegründet. Zukünftig soll dort mit etwa 80 Wissenschaftlern und Ingenieuren unter anderem an Konzepten für Raumfahrtmissionen und der Entwicklung von Satelliten und neuen Antrieben geforscht werden.

 

Ausgewählte Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten

 

Stereokamera HRSC

Die hochauflösende Stereokamera HRSC ist Deutschlands wichtigster Beitrag zur Mission Mars Express der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die am Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ursprünglich für Mars 96 entwickelte Kamera nimmt Bilder der Marsoberfläche mit einer Detailgröße von 10 bis 30 m auf und ermöglicht, sie dreidimensional zu analysieren.

Fernerkundung der Erde

Im Rahmen der Fernerkundung der Erde liefern Satelliten kontinuierlich flächendeckende Informationen über das Gesamtsystem Erde. Diese Erdbeobachtungsdaten dienen zur Untersuchung der Atmosphäre, der Land- und Ozeanoberflächen sowie der Eisflächen der Erde. Nutzanwendungen der Fernerkundung sind zum Beispiel Umweltmonitoring und Katastrophenhilfe.

Suborbitale Raumflüge

Seit 2005 untersucht das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Möglichkeit, den interkontinentalen Passagiertransport durch suborbitale Raumflüge zu ermöglichen. Das wiederverwendbare Raumfahrzeug SpaceLiner soll vertikal starten und horizontal landen. Es hat zwei Raketenstufen und wird durch Flüssigtreibstoff angetrieben.

Forschungsflugzeuge

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt die größte Forschungsflugzeugflotte Europas. Das bedeutet Forschung mit dem Flugzeug und Forschung am Flugzeug. Die DLR-Forschungsflieger bilden Plattformen für Forschungsmissionen aller Art. Wissenschaftler und Ingenieure können mit ihnen praxisnah und anwendungsorientiert arbeiten: Erderkundung, Erforschung der Atmosphäre oder Erprobung neuer Flugzeugkomponenten.

So untersucht das DLR zum Beispiel das Flattern von Flugzeugflügeln und Möglichkeiten, es zu unterdrücken. Dies dient auch der Reduktion von Fluglärm. In so genannten fliegenden Simulatoren kann das Flugverhalten von Flugzeugen nachgeahmt werden, die noch nicht gebaut sind. So wurde auch der Airbus A380 schon frühzeitig getestet. Mit der VFW 614 ATTAS wurden verschiedene Systeme, etwa Drohnen der Bundeswehr getestet. Am 27. Juni 2012 wurde ATTAS auf Grund von Beschädigungen an einem Triebwerk und der fehlenden Ersatzteilversorgung dauerhaft außer Betrieb genommen.

Gemeinsam mit der NASA betreibt das DLR das fliegende Infrarotteleskop SOFIA (Stratospheric Observatory For Infrared Astronomy).

Als Plattform dient eine Boeing 747SP, deren Rumpf für die Aufnahme eines in Deutschland entwickelten Spiegelteleskops modifiziert wurde.

Das Flugzeug wird vom Ames Research Center in Moffett Field, Kalifornien betrieben. An drei bis vier Nächten pro Woche sollen jeweils bis zu acht Stunden aus 12 bis 14 km Höhe beobachtet werden.

SOFIA ist für eine Betriebsdauer von 20 Jahren ausgelegt. Es löst seinen Vorgänger, das Kuiper Airborne Observatory (KAO) ab, das von 1974 bis 1995 im Einsatz war.

Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt - SOFIA-Erstflug am 26. April 2007

Rosetta Mission (1993 – 2015)

Die Mission Rosetta der europäischen Weltraumorganisation ESA soll die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems erforschen, indem sie einen der ältesten und ursprünglichsten in ihm vorkommenden Himmelskörper, einen Kometen, untersucht. Die im März 2004 gestartete Sonde erreichte nach mehr als zehn Jahren Flug im Mai 2014 den Kometen 67 P/Tschurjumow-Gerasimenko. Die Mission besteht aus einem Orbiter und der Landeeinheit Philae Das DLR hatte wesentliche Anteile beim Bau des Landers und betreibt das Lander-Kontrollzentrum, das die Landung auf dem Kometen vorbereitet und betreuen wird.

Anmerkungen

Autorenliste Wikipedia

Copyright Fotos / Grafiken v.o.n.u.v.l.n.r.: Harald BischoffunbekanntNASA/Carla Thomas

Lizenzbestimmungen Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (abgekürzt)